Ich gehe davon aus, dass es Menschen gibt, die gerne einmal etwas in „Flerschemerisch“ schreiben würden, sei es eine Glosse, ein Witz, ein Vortrag oder auch ein Gedicht, dass sie aber eine gewisse Scheu davor haben zu schreiben „wie ihnen der Schnabel gewachsen“ ist, man will sich nicht blamieren.
Andererseits gibt es Autoren und Autorinnen, die die genannte Scheu nicht haben: sie schreiben lautmalerisch so wie sie meinen, dass ihr Text gelesen und verstanden werden kann. Und so schreibt jeder sein eigenes Flerschemerisch. Und dies, weil es kein Wörterbuch gibt, aber auch keine Kapazität, keine Autorität, der man folgen möchte. Und so stellt jede und jeder seine eigenen Regeln auf oder verzichtet gar auf das Schreiben.
Wenn wir zum Motto dieses Abends sagen: „Wie man ein Flerschemer Wörterbuch schreiben könnte“ so möchten wir festhalten, dass wir uns heute Abend keine ungewöhnlichen Wörter aus unserer Flerschemer Mundart – von denen es wahrlich viele gibt, Schleechtbabbeler zum Beispiel oder Labbeduddel – vornehmen wollen. Dieser Abend soll dazu dienen, einige Regeln aufzustellen, wie man das Flerschemerische schreiben könnte, so als gäbe es dafür ein Wörterbuch.
Zum Flerschemerischen ganz kurz: Viele Menschen, die in Flörsheim wohnen, kennen und können es nicht, andere so wie ich sprechen es oder versuchen es, aber wir sprechen es unterschiedlich, je nachdem wie lange wir das Flerschemerische in unserer Umgebung pflegen. Wenn man sein Flerschemerisch verschriftlichen möchte, dann werden sicher Unterschiede erkennbar zu anderen Menschen, die dasselbe tun wollen. Jeder nach seiner Art, jedoch: wir gehen davon aus, dass grundlegende Regeln angewandt werden können, die sich sogar aus der Rechtschreibung der Deutschen Sprache, aus dem Duden, ergeben.
Denn das Geschriebene soll ja auch gelesen werden. Und schön wäre es, wenn die Lesenden den Text auch verstehen könnten. Da sie aber viele der geschriebenen Wörter so noch nicht gesehen und gelesen haben, also dass sie keine Vorlage haben, können sie manches nicht einordnen. Und dies, weil beim Schreiben einige Regeln nicht befolgt worden sind.
Bitte betrachten Sie also unsere Bemühungen heute als den Versuch, ein Wörterbuch anzulegen und die dortigen Regeln für die Verfassung von Texten bereitzustellen. Wir halten uns dabei an die Regeln des Duden, der ja für das Hochdeutsche angibt, wie ein geschriebenes Wort ausgesprochen wird. Mehr wollen wir nicht, wenn es Anklang fände würden wir uns freuen.
Wenn wir lautmalerisch schreiben wollen, so haben wir im Wesentlichen ein paar Aufgaben zu erfüllen:
und dann kann man auch noch über schwierige Wörter Vereinbarungen treffen
Beginnen wir mit dem Hochdeutschen, um zu zeigen, was ich sagen will.
Wir lesen folgende Sätze:
Beides ist gleich geschrieben, aber durch den Zusammenhang erkennbar, wie es ausgesprochen wird:
Auch bei
haben wir keine Schwierigkeiten, die Wörter richtig zu lesen, sie richtig zu betonen und sie zu verstehen.
Auch Wörter, die unterschiedlich geschrieben, aber gleich ausgesprochen werden
gibt es durch den Zusammenhang der Wörter im Satz keine Missverständnisse. Denn unsere grammatischen Vorkenntnisse helfen uns, den Sinn der Wörter richtig einzuordnen.
Diese Kenntnis haben wir beim ungewohnt geschriebenen Flerschemerisch nicht, wir müssen sie, wenn wir es wollen, uns zuerst durchs Lesen und danach durchs Schreiben aneignen. Ich wiederhole mich: Wenn es aber doch keine Einheitlichkeit gibt, wenn jeder und jede lautmalerisch so schreibt, wie er oder sie es meint richtig zu machen, wenn es keine Übereinkunft gibt, machen wir es uns und den Lesenden schwer.
Und nun vom Allgemeinen zum Besonderen: Dafür nehme ich nur zwei Wörter, die ich gelesen habe. Hier geht es nicht darum, zu kritisieren, sondern nur darum, dass Wörter hier so geschrieben worden sind, die an anderer Stelle eben anders geschrieben werden. Die Unsicherheit wird nicht beseitigt, sondern vergrößert.
Nehmen wir das Wort für den Wirt des Gasthauses zum Hirsch, den wir in unserer Mundart unbeschwert "Herrsch-Werrt" nennen.
Dieses Wort habe ich auch schon mal in einem Mundart-Text so gelesen:
Hier hat man nicht nur die Schwierigkeit, wie das Wort aufzuteilen ist, sondern auch zu erkennen, welche Wörter verwendet wurden also
Man muss sich verständigen darüber, ob man schreibt:
und schon sind wir mitten im Thema und beginnen mit den Regeln, die uns Prof. Metzner jetzt vorstellen wird.
Man kennzeichnet die Kürze des Vokals durch Verdoppelung des nachfolgenden Konsonantenbuchstabens.
Folgt auf einen Vokal kein Konsonant, ist er lang. folgt nur ein Konsonant, so ist der Vokal kurz oder lang, je nach Bedeutung, folgen mehrere Konsonannten, so ist der Vokal kurz.
Nehmen wir jetzt das Motto dieses Abends in vorläufiger Schreibung:
Diese verschriftlichen Wörter kennen wir nicht. Auch weil wir keine Hilfestellung zum Lesen gegeben haben. Geben wir diese Hilfestellung, dann können wir verständlich schreiben:
Kon oder Koon, beides kann so geschrieben werden, beides kann dann auch richtig gelesen, besser richtig ausgesprochen werden.
Warum also die Verlängerung des "o" durch Verdoppelung? Um es deutlicher zu machen. Koon mit "oo" kann nicht anders gelesen werden als Koon, one kann mit h nicht anders gelesen werden als ohne, kon/konn, da ist es wieder und jetzt muss ich es unterscheiden, also muss ich den Vokal kurz machen durch Verdoppelung des nachfolgenden Konsonanten.
Die einfachen Regeln hierfür haben wir bereits genannt:
Vokale werden kurz ausgesprochen, wenn der nachfolgende Konsonant verdoppelt ist:
Der Vokal wird lang ausgesprochen, wenn er verdoppelt wird oder wenn der nachfolgende Konsonant allein steht:
Und dann gibt’s noch die Verlängerungen z. B. des "i" durch "ie", des "e" durch "h"
Kommen wir noch einmal auf den "Herrsch-Werrt" zurück. Da ist das Wort "Herrsch" für Hirsch. Wird es mit einem einzigen "r" geschrieben, lässt es sich verstehen, denn das hochdeutsche "Hirsch" ist nicht weit weg. Aber wir meinen, "Herrsch" lässt sich besser lesen.
In Zusammensetzungen jedoch wird es schwierig, da sehr schnell ein anderer Zusammenhang hergestellt wird; deshalb muss hier ein Bindestrich gesetzt werden
Hier zum genannten Beispiel:
Hier wären die beiden "e" lang zu lesen, also liest man
Deshalb nehme ich das Wort "Werrt" für Wirt. Wollte ich "Wert" sagen, müsste ich "wert" schreiben.
Noch mal die Regeln: Der Vokal "e" wird kurz ausgesprochen, wenn in der Mundart-Schreibung der nachfolgende Konsonant verdoppelt ist:
Der Vokal wird lang ausgesprochen, wenn der nachfolgende Konsonant allein steht:
Wir lernen, dass der Vokal auch durch das Einfügen eines "h" oder Verdoppelung lang ausgesprochen werden muss.
Dies trifft vor allem für die Vokale "e", "a", "o" zu, aber auch für die Vokale "u" und "i".
Der einfachste Weg ist aber, die Vokale zu verdoppeln.
Aach im Gegensatz zum Ach
Dann gibt’s noch die Verlängerungen z. B. des "i" durch "ie"
Auch beim Wort "Flerschem" gibt es mehrere Schreibweisen, ich bevorzuge die gebräuchliche Schreibweise wie vor. Ich trenne es in Gedanken in zwei Silben auf: Flerschem. Hier ist der erste Vokal, das erste "e", lang, denn der nachfolgende Konsonant "r" ist auch in meiner Schreibweise nicht verdoppelt, ebensowenig wie im Hochdeutschen. Beim zweiten "e" in –schem trifft zu, dass bei einem nachfolgenden Konsonanten das "e" kurz oder lang gesprochen werden kann. Eigentlich müsste ich deshalb, um es ganz deutlich zu machen, das zweite "e" durch Verdoppelung des "m" verkürzen, aber hier in diesem Falle hilft es uns, dass das Wort "Flerschem" nicht verwechselt werden kann, wie der Weg oder wie weg.
Kommen wir zu einigen Besonderheiten:
Ein Hesse kann beim besten Willen nicht ein "r" vor einem Konsonanten sprechen:
Aber es empfielt sich oft, das "r" zu schreiben, weil man die hochdeutsche Schreibung im Sinn hat.
Das Flerschemerisch ist weich, nur selten wird ein "t" ausgesprochen, vor allem wenn es nicht am Ende steht.
Beispiele:
aber Hast, das würde ich so stehen lassen anstatt Hasd zu schreiben.
Zweifelsfälle, die verständlich sind, über die jedoch Einigung erzielt werden muss, um keine Verwechslung zu schaffen:
Dann die verbundenen Wörter:
Diese Wörter machen beim Lesen Schwierigkeiten, denn sie sind uns nicht geläufig.
Manchmal ist es erforderlich, in Annäherung an das Hochdeutsche einen Buchstaben einzufügen oder zu bewahren, der uns auf das hochdeutsche Wort verweist und so eine Verwechslung verhindert:
Dann gibt es Wörter, die nur schwer zu übertragen sind
Dann nehme ich oft einen sprachlichen Umweg in Kauf
Dann gibt es noch Wörter, die man durch Verdoppelung der Konsonanten nicht verschandeln soll, da sie bereits unmissverständlich sind:
Besondere Probleme bei allen Texten aus unserem Umfeld macht die Wiedergabe bestimmter Vokale, deren Färbung mit den vorhandenen einfachen Zeichen "a", "e", "i", "o", "u", nicht genau wiederzugeben ist.
Zum zweiten machen Probleme in unserem Sprachraum die auslaufenden "n" nach einem Vokal in Fällen wie
bei der Umsetzung in die Mundart, sodass wir im Flerschemerischen die sogenannte Nasalierung kaum zu hören bekommen und wir neue Zeichen brauchen.
Weniger Schwierigkeiten macht ein auslaufendes "n" nach Vokalen; wenn es in einer unbetonten Silbe steht, dann fällt das "n" ganz weg:
Hans Jakob Gall